Seebestattungsseminar in Harlesiel

Praxisteil des DIB-Lehrgangs führte auf die Nordsee

Zum Vorbereitungslehrgang für die Prüfungen zum Bestattermeister bzw. zum „Geprüften Bestatter“ gehören neben theoretischen und praktischen Einheiten in Bad Wildungen auch ein Seminar zur Seebestattung. Ende Juni führte dieser Praxisteil die Teilnehmer des aktuellen Lehrgangs ins ostfriesische Harlesiel. Dort arbeitet das Deutsche Institut für Bestattungskultur seit mehreren Jahren mit der Seebestattungsreederei Albrecht zusammen.

An Bord der rund 20 Meter langen Yacht „Nordwind“ erhielten die Lehrgangsteilnehmer einen unmittelbaren Einblick in die Abläufe dieser besonderen Bestattungsform. Das 2018 speziell für kleine Seebestattungen in Dienst gestellte Schiff bietet Platz für Trauergesellschaften mit bis zu zwölf Personen. Begleitet wurde die Gruppe von Kapitän Manuel Gorfer und DIB-Geschäftsführerin Andrea Belegante.

Während der Fahrt erläuterte Gorfer die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen einer Seebestattung: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Wie wird eine Seebestattung vorbereitet? Welche Gestaltungsmöglichkeiten bestehen für die Trauerfeier an Bord? Und welche Vorgaben ergeben sich aus Umwelt- und Gewässerschutz?

Ein Schwerpunkt lag auf der praktischen Vorbereitung. Dazu zählt beispielsweise das Umfüllen der Asche in eine Seeurne. Diese muss sich im Wasser vollständig zersetzen. Deshalb dürfen nur Urnen aus natürlichen Materialien wie ungebranntem Ton, Kalk oder Zellulose verwendet werden. Auch beim Blumenschmuck gelten klare Regeln. So dürfen Kränze, Gestecke mit Draht oder Kunststoff sowie Schleifen nicht ins Meer gegeben werden. Zulässig sind nur biologisch abbaubare Materialien. So wird der Abschied auf See mit dem Schutz der Meeresumwelt verbunden.

Neben den fachlichen Vorgaben vermittelte das Seminar auch ein Gefühl für die besondere Atmosphäre einer Seebestattung. Auf dem Wasser verdichten sich Trauerfeier, seefahrerisches Brauchtum und Naturerlebnis zu einem eigenen Rahmen des Abschieds. Für die Angehörigen kann die Weite des Meeres ebenso tröstlich sein wie der Moment, in dem die Blumen kurz auf der Wasseroberfläche sichtbar bleiben und so den Ort der Beisetzung markieren.

Ein wichtiger Bestandteil der Übungsfahrt war das maritime Ritual der „Acht Glasen“. Mit acht Glockenschlägen wird auf Schiffen traditionell das Ende einer Wache angezeigt. Bei einer Seebestattung steht dieses Zeichen für das Ende der Lebenswache des Verstorbenen und bildet einen würdevollen Abschluss des Abschieds auf See.

Wer Angehörige fundiert beraten und eine Seebestattung sicher begleiten möchte, muss nicht nur die Vorschriften kennen, sondern auch den Ablauf an Bord, die Wirkung der Rituale und die Anforderungen an eine sorgfältige Vorbereitung verstehen.

Der nächste Lehrgang zur Vorbereitung auf die Bestattermeisterprüfung beginnt am 4. Januar 2027 in Bad Wildungen.

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